Zur Hauptseite

Alle ArtikelFundamental-Booklet: High-Tech-Lernen (& -Lehren)

Es gibt viele Arten, ein Wort misszuverstehen

537 Leser

Die einfachste Form des missverstandenen Wortes ist „keine Definition“, d. h., Du hast einfach null Ahnung, was dieses Wort bedeutet. Keine Definitionen sind leicht zu erkennen, da es völlig offensichtlich ist, dass etwas fehlt oder unbekannt ist. 

Fies wird es, wenn “Du denkst, Du wüsstest, was es bedeutet, wobei aber etwas völlig anderes gemeint ist”. Denn dann kommst Du gar nicht auf die Idee, die Definitionen aufzuklären … 

Was wäre aber, wenn

  • es mehrere Bedeutungen gibt und Du benutzt nicht die richtige?
  • Du die Bedeutung eines Wortes einfach erraten oder aus einem Zusammenhang geschlussfolgert hast, ohne es je nachzuschlagen?
  • Dir jemand ein Wort erklärt hat, die Person aber selbst ein Missverständnis, fehlende oder falsche Definitionen hat?
  • die Bedeutung nur einigermaßen stimmt, aber nicht vollständig oder richtig ist? 
  • bei der Definition, die Du im Kopf hast, ein wichtiger Teil fehlt?
  • ein Wort mehrere unterschiedliche Definitionen hat und Dir einige oder mehrere fehlen?
  • etc.  

Beispiel: Der Maurermeister und sein Lehrling

Der Maurermeister sagt zu seinem Lehrling: „Richte die Steine zu“. Das Wort „zurichten“ hat aber zwei Definitionen: 

Jetzt kennt unser Auszubildender leider nur Definition 2. Die Anweisung des Meisters erscheint ihm nicht völlig logisch, aber er denkt sich: „Naja, vielleicht möchte er Kieselsteine haben, darum verschandel ich die Dinger jetzt einfach mal.“

Nach ein paar Minuten kommt der Maurermeister vorbei und sieht, wie sein Lehrling das ganze Material zerstört. Da die Umgangsformen auf dem Bau etwas grober sind, weist er ihn noch nicht einmal verbal zurecht, sondern haut ihm gleich mal eine rein. 

Der Lehrling versteht natürlich kein Wort, denkt, sein Chef wäre ein aggressives Arschloch, während der Chef meint, sein Lehrling wäre ein destruktiver, zerstörerischer Typ. Tatsächlich haben sie beide nur ein Wort (Symbol) benutzt, das vom Meister anders ausgesendet als es vom Lehrling tatsächlich empfangen wurde.

Problematik dabei: Weder der Lehrling noch der Meister erkennen, dass das Problem in einem missverstandenen Wort / anderer Definition liegt. Keiner kommt auf die Idee, die Ursache in unterschiedlichen Bedeutungen / Definitionen zu suchen, sondern jeder schiebt es auf die andere Person. 

Glaube mir, mein Freund, genau das Gleiche passiert Dir auch mit Deinem Partner / Deiner Partnerin, mit Deinen Freunden, mit Deinen Feinden etc. Es passiert Dir andauernd, ohne dass Du es merkst.

Beispiel: Die Copy

“Die Copy war jetzt endlich sehr gut, sodass dieses Mal reihenweise Menschen kauften.” 

Wenn Du jetzt nur die eine Definition von “copy” kennst, nämlich “Kopie”, ergibt dieser Satz überhaupt keinen Sinn. 

Wenn Du allerdings weißt, dass im Marketing das Wort “copy” die Abkürzung für “copywriting” (nein, hat nichts mit “Copyright” zu tun), nämlich “das Schreiben von Verkaufstexten” ist bzw. einfach “Verkaufstext” heißt, dann wird alles auf einmal sehr simpel. 

Jetzt lies den obigen Text noch einmal: Auf einmal wird klar, “dass die Leute ein beworbenes Produkt gekauft haben, nachdem die Verkaufstexte verbessert wurden”, und nicht “eine schönere Kopie gekauft wurde” etc. 

Das Fiese dabei ist: Du denkst ja, eine passende Definition zu haben, und kommst daher gar nicht auf die Idee, dass es die falsche sein könnte. Stattdessen glaubt man, “der Autor redet Quatsch” oder “der Text ist unverstehbar”

Beispiel: Leim vs. Kleber

Oft sind Definitionen ähnlich, aber nicht gleich. Leim ist nicht gleich Kleber. Leim ist eine Spezialform eines Klebers, nämlich “wasserlöslicher, zähflüssiger Klebstoff, besonders zum Verleimen von Holz und Papier”. Was passiert wohl, wenn man versucht, Holz mit einem Prittstift zu verkleben?

Beispiel: Datum

Ein Lehrer hat an der Tafel das Gesetz “a2 + b2 = c2*(Satz des Pythagoras, um Streckenlängen in rechtwinkligen Dreiecken auszurechnen) erarbeitet. Zum Abschluss sagt er: “Mit diesem Datum werden wir die nächsten Wochen arbeiten …”

Kennst Du jetzt nur die hauptsächlich benutzte Definition “dem Kalender entsprechende Zeitangabe, Tagesangabe”, dann fragst Du Dich: “Mit welcher Zeitangabe arbeiten wir wann???” Es gibt jedoch noch eine weitere, größtenteils unbekannte Definition, nämlich “(Datum = Singular / Einzahl von Daten) Faktum, Information” – Aha, wir arbeiten also mit dem Satz des Pythagoras.

Beispiel: Der Kamin

Ein Bergsteiger sagt zum anderen: “Dort drüben nutzen wir den Kamin.” Das Wort “Kamin” hat aber mehrere Bedeutungen: einerseits “eine in die Wand eines Wohnraums eingebaute offene Feuerstelle mit Rauchabzug, Schornstein” und zum anderen: “schmaler Felsspalt zwischen zwei steilen Felswänden”. Was wird wohl der Bergsteiger gemeint haben?

Beispiel: Das Wirken der Brötchen ist der wichtigste Teil

Der Bäcker sagt zu seinem Lehrling: “Das Wirken der Brötchen ist der wichtigste Teil!” Leider hat auch das Wort “wirken” zwei völlig unterschiedliche Bedeutungen, was unter Umständen zu großem Chaos führen kann: 1. “durch seine Erscheinungsweise, Art einen bestimmten Eindruck auf jemanden machen” und 2.“kneten” 

Beispiel: Der Stuhl

“Was für ein schöner Stuhl!” (auf das Objekt bezogene Definition) zu “Der Stuhl des Präsidenten ist sehr anspruchsvoll” (hier ist das Wort “Stuhl” bildsprachlich als Position gemeint).

Beispiel: Umfahren

“Den Demonstrationszug solltest Du unbedingt umfahren!” (Definition im Sinne “außen herumfahren”) zu “Er wollte den Fußgänger einfach umfahren!” (Definition im Sinne von “überfahren”).

Subjektive Sichtweisen und missverstandene Worte sind eine explosive Mischung

Wenn Du jetzt in dieses Durcheinander noch das Thema “Subjektive Sichtweisen” (= jeder hat seine völlig eigene Sicht der Welt, aber jeder denkt, der andere würde alles genauso sehen wie er, obwohl jeder durch seine “völlig eigene Brille” schaut) mit hineinbringst, wird es zum richtigen Chaos:

  • Was wäre, wenn andere Menschen mit ihrer jeweils völlig individuellen Sicht der Dinge das gleiche Problem mit missverstandenen Worten hätten wie Du? 
  • Oder sie hätten vielleicht noch schlimmere Probleme, da das Elternhaus etwas bildungsfern war und sie in der Schule die falschen Freunde hatten? 
  • Wie soll sich bei solchen Problematiken überhaupt eine effektive Gruppe bilden? 
  • Wie soll solch eine “Gruppe” jemals ohne Chaos zusammenarbeiten können?

Video-Briefing

Video Vorschau

Dieser Blogbeitrag ist ein kleiner Auszug aus dem Booklet “High-Tech-Lernen (& -Lehren)”

Es gibt viele Arten, ein Wort misszuverstehen

Das ist das, was man oft nicht versteht, wenn man mit dem Thema das erste Mal konfrontiert wird. Die einfachste Form des missverstandenen Wortes ist: keine Definition. Das heißt, Du hast einfach null Ahnung, was dieses Wort bedeutet. Keine Definitionen sind leicht zu erkennen, da es völlig offensichtlich ist, dass etwas fehlt und unbekannt ist.

Fies wird es, wenn Du denkst, Du wüsstest, was es bedeutet. Also in Kurzform: Die Sachen, wo Du sagst: “Da habe ich keine Ahnung von” sind die einfach. 

Fies wird es aber, wenn Du denkst, Du wüsstest, was es bedeutet, wobei aber etwas völlig anderes gemeint ist. Also, Du machst einen Haken dahinter … “Äh, äh!” Denn dann kommst Du gar nicht auf die Idee, die Definitionen aufzuklären.

Was wäre aber, wenn …

  • es mehrere Bedeutungen gibt und Du benutzt nicht die richtige? 
  • Du die Bedeutung eines Wortes einfach erraten oder aus einem Zusammenhang geschlussfolgert hast, ohne es je nachzuschlagen? Und das vielleicht ein Spezial Zusammenhang war. Ein Junge ist unter Jungen aufgewachsen. Die haben dann immer den Feigling genannt: “Du Mädchen!” Jetzt denkt er: “Mädchen sind feige Personen.” In einer Spezial Definition schon, aber die allgemeine wäre es eher nicht.
  • Oder was wäre, wenn Dir jemand ein Wort erklärt hat, die Person aber selbst ein Missverständnis, fehlende oder falsche Definitionen hat? 
  • Oder wenn die Bedeutung nur einigermaßen stimmt, aber nicht vollständig oder richtig ist?

Das heißt also für den normalen Sprachgebrauch – “Hallo, wie geht’s?” und so weiter –, reicht die Definition, aber nicht, um in diesem Bereich Ergebnisse zu erzielen. Also sie ist halt so wabbelig. Sie reicht für soziale Interaktionen “Hi, wie geht’s?”, aber nicht, um Ergebnisse zu erzielen iIn dem Bereich, wo es schwieriger ist. 

Was wäre aber, wenn …

  • bei der Definition, die Du im Kopf hast, ein wichtiger Teil fehlt?
  • ein Wort mehrere unterschiedliche Definitionen hat und Dir einige oder mehrere fehlen? Und ich werde Euch das jetzt gleich beweisen. 

Da gibt es schöne Worte, die haben fast gegensätzliche Definitionen. Also das gleiche Wort bedeutet im einen Fall plus, im anderen Fall minus. Schauen wir uns das mal an. 

Beispiel: Der Maurermeister und sein Lehrling. Der Maurermeister sagt zu seinem Lehrling: “Richte die Steine zu.” Das Wort “zurichten” hat aber zwei Definitionen [Grafik wird eingeblendet]:

  1. a) für einen bestimmten Zweck aufbereiten, bearbeiten, zurechtmachen, zum Gebrauch zur Benutzung herrichten und
  2. b) stark beschädigen, abnutzen. Das ist eher so die umgangssprachliche Definition b) – “Ah, das hast du ganz schön zugerichtet” –.

Wenn der aber jetzt a) nicht kennt – Migrationshintergrund, bildungsferne Eltern und so weiter, und so weiter –, dann macht er die Steine kaputt. Was macht der Meister auf dem Bau? Na, da geht es rauer zu, der klatscht ihm eine. Ist zwar verboten, wird aber trotzdem gemacht. Dann denkt sich der [Lehrling]: “Boah, was habe ich für einen scheiß Chef!” Missverstandenes Wort. 

Jetzt kennt unser Auszubildender leider nur Definition 2. Die Anweisung des Meisters erscheint ihm nicht völlig logisch, aber er denkt sich: “Na ja, vielleicht möchte er Kieselsteine haben, darum verschandel ich die Dinger jetzt einfach mal.” 

Also, immer dann, wenn Du denkst, dass Leute irgendwie irrational handeln, dann ist es die leichte Lösung: die Rechtfertigung. Gehe erstmal davon aus, dass sie rational handeln und suche nach Missverständnissen. “Ja, der ist halt so, der Chef.” “Na ja, der Mitarbeiter ist halt ein bisschen doof.” Nein, nein, nein, nein!

Damit rechtfertigst Du etwas, was Du bisher nie verstanden hast, nämlich missverstandene Worte. “Naja, vielleicht möchte er Kieselsteine haben, darum verschandel ich die Dinger jetzt einfach mal.” 

Nach ein paar Minuten kommt der Maurermeister vorbei und sieht, wie sein Lehrling das ganze Material zerstört. Da die Umgangsformen auf dem Baum etwas grober sind, weist er ihn noch nicht einmal verbal zurecht, sondern haut ihm gleich mal eine rein. 

Der Lehrling versteht natürlich kein Wort, denkt, sein Chef wäre ein aggressives Arschloch, während der Chef meint, sein Lehrling wäre destruktiver, zerstörerischer Typ, der Material verschwendet. Tatsächlich haben sie beide nur ein Wort / Symbol benutzt, das vom Meister anders ausgesendet als vom Lehrling tatsächlich empfangen wurde.

Das ist diese Missduplikation. Die Problematik dabei: Weder der Lehrling noch der Meister erkennen, dass das Problem in einem missverstandenen Wort beziehungsweise an einer anderen Definition liegt. 

Keiner kommt auf die Idee, die Ursache in unterschiedlichen Bedeutungen / Definitionen zu suchen, sondern jeder schiebt es auf die andere Person: böse, aggressiv, doof, widerspenstig und so weiter. 

Glaube mir, mein Freund, genau das gleiche passiert Dir auch mit Deinem Partner, Deiner Partnerin, mit Deinen Freunden, mit Deinen Feinden etc. Es passiert Dir andauernd, ohne dass Du es merkst.

Deswegen mache ich das so ausführlich, weil es passiert Dir andauern. Es wird so unterschätzt das Problem. 

Beispiel: die Copy. “Die Copy war jetzt endlich sehr gut, sodass dieses Mal reihenweise Menschen kauften.” 

Wenn Du jetzt nur eine Definition von “copy” kennst, nämlich “Kopie”, ergibt dieser Satz überhaupt keinen Sinn. Wenn Du allerdings weißt, dass im Marketing das Wort “copy” die Abkürzung für “copywriting” – nein, hat nichts mit “Copyright” zu tun –, nämlich “das Schreiben von Verkaufstexten” ist beziehungsweise einfach “Verkaufstext” heißt, dann wird alles auf einmal sehr simpel. 

Lesen wir jetzt alles nochmal: “Die Copy war jetzt endlich sehr gut.” Also der Verkaufstext war jetzt endlich sehr gut, sodass dieses Mal reihenweise Menschen kauften. “Ah, macht doch Sinn.” 

Hier noch mal symbolisch dargestellt. [Grafik wird eingeblendet.] Das sind Kopien [Pfeil zeigt auf den rechten Papierstapel], das ist copy [Pfeil zeigt auf einen Text im PC].

Jetzt lies den Text oben noch einmal: Auf einmal wird klar, dass die Leute ein beworbenes Produkt gekauft haben, nachdem die Verkaufstexte verbessert wurden und nicht eine schönere Kopie gekauft wurde. 

Das Fiese dabei ist: Du denkst ja, eine passende Definition zu haben, und kommst daher gar nicht auf die Idee, dass es die falsche sein könnte. Stattdessen glaubt man, “der Autor redet Quatsch” oder “der Text ist unverstehbar.”

Also, wir haben einen Arsch voll Rechtfertigungen uns aufgebaut: der Lehrer ist doof, der versteht mich nicht. Ich habe es ihm schon hundertmal erklärt. Der sabotiert es. Der ist zu doof … 

Was auch immer. Ja? “Oah, der will mich ärgern.” Alle möglichen Rechtfertigungen. Und es sind zu 98 Prozent missverstandene Worte. Glaubt es mir.

Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie meine Contenance, also meine Relaxtheit, nach oben geschossen ist, seitdem ich dieses Problem wirklich verstanden habe und seitdem ich auch weiß, wie ich es lösen kann. Es hat mich immer verrückt gemacht. 

Beispiel: Leim versus Kleber. Oft sind Definitionen ähnlich, aber nicht gleich. Leim ist nicht gleich Kleber. Leim ist eine Spezialform eines Klebers. Also, die Oberkategorie sind Kleber, und Leim ist eine Spezialform – meistens für Holz oder Papier –, nämlich wasserlöslicher, zähflüssiger Klebstoff, besonders zum Verleimen von Holz und Papier. Was passiert wohl, wenn man versucht, Holz mit einem Prittstift zu verkleben?

[Grafik wird eingeblendet.] “Hier muss Leim hin!”, sagt der Meister oder der Vater. “Ja, Leim, ist Kleber, Kleber ist Pritt.” Macht das Ding dann schön mit seinem Prittstift hier klar. Und dann sitzt der Käufer auf dem Arsch, allerdings nicht auf dem Stuhl, sondern auf dem Boden. 

Wer jetzt sagt: “Ha, ha, ha, so blöd ist doch keiner?” … Frage: Wer von Euch – hier sitzt ein paar Businessbesitzer – wer von Euch hat schon mal Leute gesehen, wo er sich gedacht hat … wurden schon mal Mitarbeiter, die eigentlich alle Einstellungstests bestanden haben, die einfach alle einen gewissen IQ hatten und so weiter und so weiter, die dann sowas Ähnliches gemacht haben? Also eine scheinbar völlige Dummheit. Missverstandene Worte! 

Beispiel: Datum. Ein Lehrer hat an der Tafel das Gesetz “a² + b² = c²” (Satz des Pythagoras, um Streckenlängen in rechtwinkligen Dreiecken auszurechnen) …

[Grafik wird eingeblendet.] Kennst Du jetzt nur die hauptsächlich benutzte Definition “dem Kalender entsprechende Zeitangabe – Tagesangabe –”, dann fragst Du Dich: “Mit welcher Zeitangabe arbeiten wir dann?” 

Es gibt jedoch noch eine weitere, größtenteils unbekannte Definition, nämlich: “Datum” ist Singular, also Einzahl von Daten. Es heißt also Faktum, Information. “Mit diesem Ding arbeiten wir die nächsten Wochen!” “Aha, wir arbeiten also mit dem Satz des Pythagoras, mit diesem Datum: a² + b² = c². Mit diesem Ding arbeiten wir die nächsten Wochen.”

Beispiel: Der Kamin. Ein Bergsteiger sagt zum anderen: “Dort drüben nutzen wir den Kamin.” [Grafik wird eingeblendet.] Das Wort “Kamin” hat aber mehrere Bedeutungen: “einerseits eine in die Wand eines Wohnraums eingebaute offene Feuerstelle mit Rauchabzug, Schornstein” und zum anderen “schmaler Felsspalt zwischen zwei steilen Felswänden”. Was wird wohl der Bergsteiger gemeint haben?

So der Nicht-Bergsteiger, ja, er freut sich schon auf die Hütte [Alex lacht] und denkt dann: “Der will mich wohl verarschen. Ich freue mich hier auf die Hütte und der führt mich hier in die Felswand, die noch dazu besonders eng ist.” 

Beispiel: Das Wirken der Brötchen ist der wichtigste Teil. Der Bäcker sagt zu seinem Lehrling: “Das Wirken der Brötchen ist der wichtigste Teil.” Leider hat auch das Wort “wirken” zwei völlig unterschiedliche Bedeutungen, das unter Umständen zu großem Chaos führen kann: 

Erstens: wir“durch seine Erscheinungsweise, Art einen bestimmten Eindruck auf jemanden machen”, was wirkt. Es heißt aber auch “kneten”

Jetzt sagt er : “Das Wirken der Brötchen ist der wichtigste Teil” [Grafik mit Bäcker wird eingeblendet] meint damit das [Pfeil zeigt auf den linken, knetenden Bäcker], und er versteht das [Pfeil zeigt auf den rechten, präsentierenden Bäcker]: die Produktpräsentation, macht noch ein Schleifchen drum, beleuchtet es und so weiter. Aber leider schmecken die Dinger nicht, weil sie nicht lang genug geknetet wurden.

Beispiel: Der Stuhl. [Grafik wird eingeblendet.] “Was für ein schöner Stuhl” – auf das Objekt bezogene Definition – zu “Der Stuhl des Präsidenten ist sehr anspruchsvoll”. Hier ist das Wort “Stuhl” bildsprachlich als “Position” gemeint. Glaub mir, das verstehen die Leute nicht. 

Es sind nur Beispiele, dass – wenn man so sieht, so alltägliche Sachen – wie schön man die missverstehen kann. Wenn Du die bisher verstehst, Glück gehabt, Du kennst diese Definitionen. Aber glaub mir, die, wo Dir welche fehlen, da merkst Du es nicht. 

Beispiel: Umfahren oder umfahren [Grafik wird eingeblendet]. “Den Demonstrationszug solltest Du unbedingt umfahren!” Definition im Sinne von “außen herumfahren” zu “Er wollte den Fußgänger einfach umfahren!” – Definition im Sinne von “überfahren”

Subjektive Sichtweisen und missverstandene Worte sind eine explosive Mischung. Wenn Du jetzt in dieses Durcheinander noch das Thema “Subjektive Sichtweise” … Also jeder hat seine völlig eigene Sicht der Welt, aber jeder denkt, der andere würde alles genauso sehen oder müsste es genauso sehen wie er, obwohl aber jeder durch seine völlig eigene Brille schaut und jeder die Welt völlig anders sieht. 

Dann beginnt man, Dinge anderen Übel zu nehmen. Und wenn Du jetzt auch diese subjektive Sichtweise noch mit hinein bringst, dann kommt erst mal richtig Chaos.

  • Was wäre, wenn andere Menschen mit ihrer jeweils völlig individuellen Sicht der Dinge das gleiche Problem mit missverstandenen Worten hätten wie Du? Das macht das Ganze natürlich nicht leichter,
  • oder sie hätten vielleicht noch schlimmere Probleme, da das Elternhaus etwas bildungsfern war oder sie in der Schule die falschen Freunde hatten? 
  • Wie soll sich bei solchen Problematiken überhaupt eine effektive Gruppe bilden?

Wir wissen nur, die meisten Teamer schaffen in einer Firma. Wie willst Du die jetzt zusammenhalten? Die streiten sich ja wegen missverstandener Worte und merken es noch nicht mal, nehmen die Dinge persönlich, die nicht persönlich gemeint waren. Sie sprechen einfach unterschiedliche Sprachen auf Wortebene und denken dann: “Der macht es extra, um mich zu ärgern!” 

  • Wie soll solch eine Gruppe jemals ohne Chaos zusammenarbeiten können?

Wenn Du das jetzt noch zusammen machst: missverstandene Worte plus subjektive Sichtweise plus dass keiner sich bewusst ist, dass die anderen das nicht machen, um sie zu ärgern, sondern dass sie die gleichen Probleme haben wie sie selbst. Aber die Probleme, die sie selber haben, merken sie ja gar nicht, weil “Es ist ja richtig, was ich tue. Ich habe es ja genauso gemacht, wie es da stand!” Ja?

Warum? Die Brötchen wirken doch gut? Der andere hat es auch. Dann, in der Gruppe sind es mehrere. Könnt Ihr Euch vorstellen, was das für ein Chaos auslöst? 

Wenn Du dieses Thema “Missverstandene Worte” nicht in den Griff kriegst, wirst Du nie eine Firma leiten können, wirst Du nie Leadership beherrschen – also Leute zu führen –, Du wirst nie ein erfolgreicher Unternehmer sein, Du wirst nie Deine Ziele erreichen, Du wirst irgendwann frustriert und verzweifelt sein. Das ist das, was passieren wird. Und Du weißt noch nicht mal warum. Herzlichen Glückwunsch. Jetzt bist Du eingeweiht. Fragen dazu?

Teilnehmer: Ich versuche zuerst die Schuld immer bei mir zu suchen und in der Vergangenheit hatte ich oft, dass das Thema, das ich habe es erklärt habe und es dann nicht so ausgeführt wurde, wie ich es mir vorgestellt habe oder anders. Und danach war ich dann auch manchmal missverstimmt und habe dann die Schuld auch schon bei meinen Mitarbeitern gesucht. Warum versteht er das nicht? Ist der nur “dumm” in Anführungszeichen? Ist das eine unterbewusste … Gebe ich unterbewusst dann in dem Augenblick die Schuld ab? Das wäre jetzt meine Frage.

Alex: Du hast jetzt ganz viele Sachen gesagt, die müssen wir jetzt erstmal einzeln auseinander nehmen. Also “Schuld”, schau mal das Wort nach, da wirst Du feststellen, ist hier der unpassende Ausdruck. Ersetz es durch “Ursache”. “Ich gebe mir die Ursache”, fühlt sich auch viel besser an. 

Bei “Schuld” ist: “gewertete Ursache mit schlechtem Ausgang”. Tatsächlich hast Du es verursacht, ob das jetzt richtig oder falsch ist, ob Du Dich schuldig fühlen solltest dafür, ist die Frage. Ich würde auch niemandem die Schuld geben. Ich würde ihm die Ursache korrekt zuweisen. 

Also wenn wir jetzt ein Chaos haben und er hat 1/3 davon, dann wäre es schlau, dass er erkennt: “1/3 davon hast Du verursacht, 2/3 davon ich.” Verursachung nicht Schuld.

So, und dann hast Du noch noch ein Wort gesagt. das war “missverstimmt”. Genau genommen bist Du ja dann happy, weil “verstimmt” ist schon negativ, “miss-” ist doppelte Verneinung. Das heißt: Wenn Du missverstimmt bist, dann bist Du happy. Ich will Dir da nur sagen, dass man da schon viel machen kann. 

Also, vom Prinzip her: Ich würde mir da gar nicht so viel Gedanken drüber machen. Es bringt überhaupt nichts, Dir Schuld zu geben oder sonst irgendwas. Machst Dich nur fertig damit. “Erkenne Deine Ursache” ist viel schlauer. So habe ich es verursacht.

“Schuld” wäre es, wenn Du es “absichtlich negativ” verursacht hättest. “Ich habe jemanden wissentlich aus niederen Beweggründen getötet.” Das wäre Schuld. Aber genau genommen ist noch nicht einmal das “Schuld”, weil wenn Du wüsstest, wie man seine Probleme löst, müsstest Du nicht zu diesen Mitteln greifen. Und das wiederum hat unter anderem nicht nur mit missverstandenen Worten zu tun. 

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich würde mich da weder fertig machen noch sonst irgendwas. Ich würde es einfach wie Konrad Adenauer machen: “Bevor wir uns streiten, lass uns doch mal schauen, ob es da missverstandene Worte gibt.” 

Wenn Du jetzt Mitarbeiter hast, solltest Du Dir erstens angewöhnen, Anweisungen schriftlich zu geben. Du solltest ihnen dieses Problem geben, so dass sie wirklich verstehen: “Aha, es gibt missverstandene Worte.” Dann hast Du nämlich die Chance und sie haben die Chance, diese Wörter zu klären mit dem Duden.

Wenn es jetzt sehr wichtig ist und sehr schnell gehen muss, kannst Du es schriftlich geben, lässt es ihn vorlesen, sagst: “Sehr schön. Beschreibe mir bitte kurz in eigenen Worten, was du hier tun sollst.” Und auf die Art und Weise stellst Du sicher, dass, wenn Du “A” sagst, er auch “A” versteht. 

Und meistens ist es so, wenn Du das machst, dass sie dann eine unvollständige Antwort geben. Sie lesen es und dann sagen Sie das und das. Dann sagst Du: “Ja, das war schon ganz gut, aber der und der Punkt sind auch noch wichtig. Lies mal hier nochmal..” “Ah ja, okay, sehr schön.” “Wiederhole noch mal.” So, und Du lässt sie nicht losrennen, bevor es nicht korrekt wiederholt wurde. Das ist so eigentlich die einfachste Lösung. 

Kann man auch im Privatleben machen. So okay, also ich mache dann immer das, die Voranstellung: “Einfach nur, um sicherzustellen, dass wir uns richtig verstanden haben, nochmal mit eigenen Worten: Was macht denn jetzt jeder von uns?” 

Also, jetzt nicht so herablassend, so: “Mach mal in eigenen Worten. Erzähl mal, du Idiot, du hast es eh nicht verstanden”, das nicht, sondern einfach nur … Es ist ein normaler Sicherheitsmechanismus, den ich immer verwende. Und wenn Du mal missverstandene Worte verstanden hast …

Nummer eins: schaue ich sehr genau hin. Wenn ich irgendwas sage oder was erzähle, dann schaue ich an: Ist die körperliche Reaktion, die Körpersprache angemessen gegenüber dem, was ich kommunizieren möchte? 

Stell Dir vor, Du gibst jemandem eine Kündigung und der fängt das Strahlen an, dann “hmm, komisch”, oder? Oder jemand kriegt einen Verweis in der Schule und der strahlt: “Mensch, ich werde verwiesen, ich muss hier nicht mehr bleiben.” Nein, es ist leider was anderes: “Wir haben dich zur Ordnung verwiesen”, heißt es in dem Sinn. 

Also ich würde immer mir zurückspiegeln lassen auf die Art und Weise … Also sprich: Körpersprache beobachten ist ja auch ein Zurückspiegeln und dann nochmal in eigenen Worten wiederholen lassen, dann erkennst Du, wo es da Missverständnisse gibt. 

Es sind ja nicht nur Worte, die das verzerren. Also in diesem Booklet “Der Königliche Eisberg”, da lernst Du über 40 Punkte, die das verzerren. “Worte” ist neben “Vergleichswert” einer der schlimmsten.

Beispiel: Vergleichswert. Du hattest jetzt einen richtigen Scheißtag. So, und Deine Frau fragt Dich dann: “Sag mal, was willst du essen?” Dann kann es sein, dass Du die Antwort gibst: “Boah, gibt es denn hier niemanden, der irgendwas selber entscheiden kann?”

Das hat aber nichts mit Deiner Frau zu tun, sondern mit dem Tag, den Du erlebt hast. Oder Du bist eine Frau, hast Dich gerade mit den Mädels – mit Deinen Freundinnen – getroffen. Die eine lässt sich gerade scheiden, die andere ist vom Mann betrogen worden. Also, Du hast lauter gescheiterte Dinge. So, und jetzt kommst Du nach Hause und der Mann bringt Dir Blumen mit. Dann ist wahrscheinlich Dein erster Gedanke nicht “Mensch, wie lieb”, sondern “hat der ein schlechtes Gewissen? Geht es bei mir jetzt auch los?” [Alex lacht.]

 Weißt, wie ich meine. Es kommt immer darauf an: Woher kommst Du gerade? Von welchem Vergleichswert kommst Du gerade? Es gibt also ganz viele Faktoren, die das beeinflussen und dafür macht es die Menschheit noch wahnsinnig gut. So, die Frage ist nur: “Wie gut machte sie es, wenn missverstandene Worte und diese anderen Hauptverzerrer nicht mehr da wären?” Dann wäre das Leben eigentlich schon ganz schön angenehm. 

Einer der Gründe, warum ich das raus gebe, nicht nur aus reiner Menschlichkeit, sondern einfach, um mir und meiner Umgebung das Leben leichter zu machen. Es hat also auch egoistische Gründe.

Auf diesem Blog veröffentlichen wir regelmäßig Artikel zu den heißesten Themen aus Immobilien, Steuern, Unternehmertum und coolen Lifehacks.

Ganz ohne Fachchinesisch – Klartext, gut gelaunt, auf den Punkt. Mit unserem wöchentlichen Report verpasst Du keinen unserer Inhalte und bleibst stets auf dem Laufenden.

Kostenlos: Verpasse keine wichtigen Neuigkeiten!

Der Fischer’s Weekly Report. Bleib auf dem Laufenden und sei informiert über lokale Events, Community-Treffen, kostenlose Webinare, News, neue Blog-Artikel, Videos, Podcasts usw.

Du kannst diesen wöchentlichen Report jederzeit wieder abbestellen. Wir verwenden Deine Mailadresse ausschließlich zu oben genannten Zwecken und geben sie niemals an Dritte weiter. Mehr Details findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Es gibt viele Arten, ein Wort misszuverstehen

Wird geladen…

Feedback senden

Du hast Anmerkungen oder zusätzliche Hinweise zu diesem Artikel? Oder Du hast Fehler entdeckt?

Deine Kontaktdaten

Dein Feedback zum Artikel