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Systemisches Denken im Business

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Ein Unternehmen ist ein funktionierendes System mit vielen verschiedenen, funktionierenden Untersystemen (Abteilungen, Abläufe, Prozesse). Wenn Du etwas daran änderst, greifst Du in Systeme ein, mit Folgen, die Dir aller Wahrscheinlichkeit nach nicht ausreichend bewusst / bekannt sind. Die Chancen sind also sehr, sehr hoch, dass Du (oft ungewollt) funktionierende Systeme schädigst.

Was also tun:

Werden Systeme NEU erschaffen, kann man nicht viel kaputt machen, da ja nicht viel existiert. 99 % der Erschaffensversuche werden jedoch nie ein funktionierendes System hervorbringen. Sei Dir bewusst, dass Du durch Änderungen mehr Schaden als Nutzen anrichten könntest. 

System beschützen: Bestehende, funktionierende Systeme sind eine 100 % andere Party und sehr, sehr selten. Um das zu erreichen, wurden hunderte von Versuchen unternommen, die nicht funktioniert haben. Ein funktionierendes System ist ein Meisterwerk, das unbedingt stabilisiert und beschützt werden muss. 

Prinzip: Jede Upside (Vorteil) hat eine Downside (Nachteil), aber auch jede Downside hat eine Upside. Erfolgreich ist, wer die Downside maximal gut im Griff hat. Beachte und manage daher immer die Downsides Deines Handelns.

Wechselwirkung: Mache Dir klar, dass Systeme Faktoren enthalten, die untereinander in Wechselwirkung stehen. Diese Wechselwirkungen können auch verzögert auftreten. Es ist Dummheit zu denken “Wenn wir diese eine Sache ändern, dann ist alles schön”, da die Änderung wieder Wechselwirkungen auslösen wird.

Denke immer systemisch. Dinge sind nur theoretisch linear, sind aber in der Praxis immer Teil eines Systems. 

Systeme müssen langsam hochgefahren werden, sie vertragen keine Schocks. Darum arbeiten wir immer mit maximal einem neuen Faktor (Engpass), der von außen ins System eingeführt wird. 

Funktionierende Systeme werden ausschließlich über den Engpass optimiert. Wenn schon ein neuer Faktor (mit allen möglichen negativen Wechselwirkungen) eingeführt wird, so muss er sich wirklich lohnen …

Sei Dir bewusst, dass jede eingeführte Willkürlichkeit (= eine Aktion, die nicht auf Logik oder Fakten, sondern auf Meinungen, fixen Ideen oder autoritärer Behauptung beruht) zu immer mehr Willkürlichkeiten führen wird (“Hydra-Effekt”).

Wenn Du ein System nicht erschaffen hast UND seine Historie nicht zu 100 % kennst UND nicht wirklich ALLE Daten hast, kannst Du es NIEMALS verbessern. Du wirst nur Schaden anrichten. Die Chancen stehen ca. 1:200 gegen Dich. Frage also immer auch erfahrene Personen, ob Deine Aktion / Vorschlag / Entscheidung etc. nicht ggf. ein funktionierendes System schädigt.

Um ein funktionierendes System verbessern zu können, brauchst Du zunächst 1) sehr hohe Vertrautheit mit diesem (2–3 Jahre Erfahrung), 2) musst seine Historie genau kennen, 3) seine Zwecke sehr genau verstehen, 4) wirklich alle Informationen darüber haben 5) und dadurch Wechselwirkungen nahezu hellseherisch vorhersehen können.

Nutze bei jeder Aktion, die Du machst, mindestens die Kurzform des Erfolgsalgorithmus. Jedes Versäumnis auf Downsides, Wechselwirkungen, weggelassene Daten etc. zu prüfen, ist hochgefährlich! 

Achte auf gefährliche Faktoren wie Prototypen und Skalierung. Es ist nämlich ein Unterschied, ob Du eine fehlerhafte E-Mail an einen Mitarbeiter versendest oder an 20.000 Deiner besten Kunden. Weitere Beispiele wären: Rechtschreibfehler in Werbevideos, die Millionen sehen, falsche Werbeversprechen, fehlerhafte “Druckplatten” etc.

Prototypen als solche nicht zu erkennen und ohne Anwesenheit der Geschäftsleitung einfach ins System einzuführen (oder auch nur davon zu wissen oder daran mitzuwirken), ist höchst gefährlich und fahrlässig, da Du mögliche negative Wechselwirkungen billigend in Kauf nimmst.

Schriftliche Genehmigung von Prototypen: Da der Erschaffer des Systems (CEO, Geschäftsführer etc.) einen besseren Überblick über sämtliche Faktoren des Systems und mögliche Wechselwirkungen hat, müssen alle Prototypen vor Implementierung oder Nutzung von der Führungskraft schriftlich genehmigt werden. 

Verschwende nicht unnötig Zeit auf Pläne (= viele Details ausarbeiten) oder beginne mit irgendeiner Form mit der Umsetzung, OHNE vorher die Plantiefen der Reihenfolge nach durch die einzelnen Ebenen gebracht und final genehmigt bekommen zu haben.


Video-Briefing

Video Vorschau

Dieser Blogbeitrag ist ein kleiner Auszug aus dem Booklet “Systemisches Denken”

Teil 5: Wichtige Regeln im Business, also sprich: Systemisches Denken. Das Booklet ist ja so aufgebaut, dass es auch normale Menschen, nicht nur Unternehmer, benutzen können. Teil 5 ist jetzt dieser etwas allgemeinen Regeln, die natürlich auch gerade im Business zutreffen, jetzt mal noch mal speziell auf’s Business ausgelegt. Systemisches Denken im Business: 

Ein Unternehmen ist ein funktionierendes System mit vielen verschiedenen, funktionierenden Untersystemen. Das wären zum Beispiel Abteilungen, Abläufe, Prozesse etc. Wenn Du etwas daran änderst, also am Unternehmen, an Abteilung, an Abläufen, an Prozessen, greifst Du in Systeme ein mit Folgen, die Dir aller Wahrscheinlichkeit nicht ausreichend bewusst oder bekannt sind. Gut, jetzt langsam schon, aber vorher wahrscheinlich nicht. Die Chancen sind also sehr, sehr hoch, dass Du (oft ungewollt) funktionierende Systeme schädigst. 

Was also tun?

So, und das ist jetzt einfach noch mal das, was wir vorher schon alles durchgegangen sind, speziell auf Business ausgelegt und nochmal im Überblick. Also: 

Werden Systeme NEU erschaffen, kann man nicht viel kaputt machen, da ja nicht viel existiert. Im Gegenteil, da kannst Du experimentierfreudig sein, wie Du willst. 99 Prozent der Erschaffensversuche werden jedoch nie ein funktionierendes System hervorbringen. Sei Dir bewusst, dass Du durch Änderungen mehr Schaden als Nutzen anrichten könntest.

Sobald Du ein funktionierendes System hast. Also, nochmal: Neu kannst Du nicht viel falsch machen. Du bist erfolgreich geworden, indem Du viel experimentiert und Sachen verändert hast. Dadurch bist Du erfolgreich geworden. Und ab einem Breakpoint, wo Du ein funktionierendes System hast, gelten die genau umgekehrten Regeln. Deswegen laufen die meisten da so rein. So, sei Dir also bewusst, dass Du durch Änderungen ab diesem Punkt mehr Schaden als Nutzen anrichten könntest.

Also das, was einmal gut war, musst Du Dir jetzt abgewöhnen. Oder Du musst mit dem Modus sehr schnell umschalten können, dass Du halt wirklich relativ schnell siehst: “Ah! Neues System, völliger Quarantäne-Bereich. Aha! Völlig abgetrennt. Sehr schön. Meine eigene Ressource als Faktor wird nicht so sehr beeinträchtigt. So, kann ich experimentieren.” Gut. So! Wenn Du also ein funktionierendes System hast, kommt der nächste Punkt: 

System beschützen: Bestehende, funktionierende Systeme sind eine 100 Prozent andere Party und sehr, sehr selten. Wirklich. Also, ihr habt ein bestehendes, funktionierendes System – das erscheint Euch normal, weil ihr es ja habt. Aber ihr seht nicht die toten Systeme. Ihr seht nicht die Hunderte und Tausende von Versuchen, Systeme aufzubauen, die jetzt auf dem Friedhof liegen. Und Ihr seid Euch gar nicht bewusst, wie wertvoll ein funktionierendes System ist.

Du hast ja zum Beispiel vorhin gesagt: Ja, aber Du willst ja auch vielleicht einmal was Verrücktes tun und Deine Visionen und so weiter, und so weiter, und so weiter. – Denk doch nochmal drüber nach. Du kannst all Deine Visionen – und Du hast gesagt, Du bist desillusioniert jetzt so ein bisschen und Deine Visionen und so weiter. Nochmal: Also, ich bin trotz systemischen Denkens nie desillusioniert.

Ich kann mir aber vorstellen, dass Du halt Visionen aufgestellt hast, die jetzt unter dem Wahrnehmungsmodell, dem Blickwinkel “systemisches Denken” einfach nicht mehr sinnvoll erscheinen. Ja, dann pass sie einfach an, so dass sie den Gesetzen des systemischen Denkens entsprechen. Ich kann Dir nur sagen: “Du hast alle Freiheiten unter systemischem Denken, die Du bei linearem Denken hast. Du hast genau genommen sogar mehr, weil Du nicht heute Lösungen machst, die dann … also, heute löst Du Sachen, die dann zu den Problemen von morgen werden.”

Also, genau genommen ist es sogar schlauer. Aber wenn Du das jetzt das erste Mal hörst, musst Du vielleicht sagen: “Hööö? Irgendwie das, was ich mir vorgenommen habe, die Ziele und so weiter, und so weiter, die muss ich vielleicht begraben und neue aufsetzen.” 

Hierzu auch ein Prinzip, nach dem ich arbeite, das viele Leute nicht verstehen: “Neue Daten, neues Glück”. Also, ich war heute dieser einen Meinung. Morgen kriege ich neue Informationen und dann ändere ich sofort meine Meinung. 

Also, diese Idee: “Ja, aber ich muss das ja noch abschließen und ich habe das ja damals so gesagt.” Ja, okay. “Neue Daten, neues Glück. Neue Daten, neuer Plan.” Die Ziele bleiben meistens gleich, es sei denn, sie sind Schwachsinn, weil es auch für Ziele-Setzen gewisse Prinzipien gibt und Regeln, die man einhalten sollte. 

Aber eigentlich sind die Ziele stabil, wenn sie richtig gesetzt wurden, der Weg aber sehr flexibel. Normalerweise hat man auch Ziele hinter dem Ziel. Also das Beispiel, was auch immer Du Dir da an Visionen gesetzt hast, aber da wird ja ein Purpose dahinterstecken, wie zum Beispiel: “Ich habe gern Action.” – “Ich fühle gerne Adrenalin.” – “Ich bin gern kreativ.” – “Ich bringe mich gerne ans Limit.” – “Ich dehne gern meine Komfortzone.” – “Ich lerne gerne Neues.” 

Das sind ja die Ziele hinter den Zielen und die sind üblicherweise stabil. So, aber Du musst ja nicht Selbstmord begehen oder Selbstmordversuche begehen, um Dich dann wieder zum Leben zu erwecken. So, deswegen nutze einfach mit diesem neuen Wahrnehmungsmodell “Systemisches Denken” die Ziele hinter den Zielen, um sinnvolle Visionen aufzubauen. Verstehst Du, wie ich meine?

Das eine widerspricht dem anderen nicht. Diese neue Sichtweise destabilisiert es nur erst mal, aber es geht sauviel Spaß mit systemischem Denken, sogar mehr Spaß. Also, nochmal: 

Bestehende, funktionierende Systeme sind 100 Prozent andere Party und sehr, sehr selten. Um das zu erreichen, wurden Hunderte von Versuchen unternommen, die nicht funktioniert haben. Ein funktionierendes System ist ein Meisterwerk, das unbedingt stabilisiert und beschützt werden muss.

Es ist ein Meisterwerk – das weißt Du vielleicht gar nicht zu schätzen, aber es ist ein Meisterwerk. Prinzip: Jede Upside, also jeder Vorteil, hat eine Downside, einen Nachteil, aber auch jede Downside hat eine Upside. Erfolgreich ist, wer die Downside maximal gut im Griff hat. Beachte und manage daher immer die Downsides Deines Handelns. 

Wer von Euch weiß genau, wie man mit Aktien-Trading reich wird? Ich erkläre es Euch kurz: Du hast 100.000 Euro und Du machst jetzt einfach 1000 Trades, wo eine Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent besteht, dass der Trend in Deine Richtung läuft. Du kannst also ganz genau ausrechnen – also, würdest Du jetzt alles auf eine Karte setzen, wärst Du in kürzester Zeit arm. So, die arbeiten einfach nur mit Wahrscheinlichkeiten aufgrund der Vergangenheit, durch Chart-Analysen oder was auch immer, wie sie das machen, arbeiten die in Form von Wahrscheinlichkeiten. 

Dann rechnen sie das Risikoverhältnis aus, das Chancen-Risiko-Verhältnis, und sorgen, dass sie das Gesetz der großen Zahl anwenden, indem Sie das oft genug machen, und nicht zu viel Geld auf eine Karte setzen. So funktioniert das in einer Nussschale. Und es ist auch unmöglich, nicht erfolgreich zu werden, wenn Du bei jeder Aktion die Upside berücksichtigst und die Downside minimierst, sodass immer mehr Upside als Downside da ist.

Dann aber nicht alles auf eine Karte setzen, sondern mehrere Sachen, mehrere Iterationen, mehrere Durchgänge. Du kannst nicht verlieren, wenn Du so arbeitest. Du kannst nur dann verlieren, wenn Du wirklich grob gegen Prinzipien der Systemik verstößt, nur dann. Also, erfolgreich ist, wer die Downside maximal gut im Griff hat. Beachte und manage daher immer die Downsides Deines Handelns. Rote, blaue Knöpfe.

Was ist ein roter Knopf? Aus diesem Gesichtspunkt: 40 Prozent Upside, 60 Prozent Downside in Bezug auf Deine Absicht. Genau genommen gibt es nur weiße Knöpfe, weil, ob der rot oder blau ist, von Deiner Absicht abhängt. Was will ich erreichen? Und die Aktion – führt sie mich dorthin oder führt sie mich davon weg? 

So, und in dem Moment, wo Du praktisch 51 / 49 hast, beginnt der Knopf blau zu werden, nur leicht blau. Das heißt, Du musst sehr viel rödeln, um damit erfolgreich zu werden. Aber angenommen, Du würdest nur Handlungen machen – 51 blau / 49 rot –, würdest du, indem Du viele Durchgänge machst, trotzdem erfolgreich werden. Ist reine Mathematik. So, deswegen nicht all-in und immer schön die Downside in Bezug auf Deine Absicht.

Also, stell Dir vor, Du möchtest Selbstmord begehen, dann ist es natürlich eine Upside, besoffen 250 auf der Autobahn zu fahren. Möchtest Du überleben, ist es nicht gut. Es ist eher ein roter Knopf. 

Also: Beachte und manage daher immer die Downside Deines Handelns. Deswegen musst Du diese Denkweise mit einbeziehen. 

Wechselwirkung: Mach Dir klar, dass Systeme Faktoren enthalten, die untereinander in Wechselwirkung stehen. Diese Wechselwirkungen können auch verzögert auftreten.

Das ist etwas Fieses. Also, Du machst jetzt einen Test, dann kommt die Wechselwirkung, wird angeleiert, kommt aber erst in zwei Jahren. So, dann machst Du den nächsten Test, kommt immer noch nichts, den nächsten, den nächsten, den nächsten. Dann skalierst Du kräftig und dann kommen auf einmal die Einschläge bei dir. Bambambambambambambambam. Speziell, ich sag mal, in der Pharmaindustrie ist es ein Problem. 

Genau, diese Wechselwirkungen können auch verzögert auftreten. Also, das ist praktisch das Einzige, was …, wenn Du die ganzen Prinzipien beherrscht, die einzige echte Gefahr, die es gibt, ist verzögerte Wechselwirkung mit ein, zwei oder drei Jahren. 

Beispielsweise Mitarbeiter. Wenn Du heute ein Mitarbeiterproblem hast in irgendeiner Form, ist es die Wechselwirkung Deiner Fehlentscheidungen oder Nichtentscheidungen von vor 2 bis 3 Jahren. Also, wenn Du heute zu wenig oder schlechte oder was auch immer Mitarbeiter hast, dann liegt es daran, dass Du nicht vor 2 bis 3 Jahren entweder ordentlich eingestellt oder ordentlich ausgebildet oder ordentlich ausgesiebt hast.

Also, wenn Du nicht an all das hältst, ist Erfolg praktisch garantiert. Einzige Gefahr: Es gibt Wechselwirkungen mit riesiger Verzögerung. Die kann es ja aber nicht in allen Bereichen geben. Ja? Also, jetzt als Beispiel: Du verkaufst Bananen. Es ist unwahrscheinlich, dass einer Dich nach drei Jahren verklagt. Und einer wäre ja noch okay. Das Problem ist, wenn alle Bananenkäufer Dich verklagen. Es ist Dummheit zu denken: “Wenn wir diese eine Sache ändern, dann ist alles schön.” Das ist eben lineares Denken. “Wir machen das und dann wird alles schön”, da die Änderungen wieder Wechselwirkungen auslösen und sich das System praktisch neu aufstellt, neu sortiert. 

Also, Du änderst ein Ding – dadadadadadadadad –, stellt sich das Ding wieder auf, verändert sich, Wechselwirkung, irgendwann stabilisiert sich es wieder. Dann:

Denke immer systemisch. Dinge sind nur theoretisch linear, sind aber in der Praxis immer Teil eines Systems. Immer. Es ist schwierig, die Praxis, nämlich Systeme, in denen praktisch 3D-mäßig alles gleichzeitig stattfindet, mit linearen Medien zu erklären. Na ja, ein Hörbuch, da hörst Du erst Wort eins, dann Wort zwei, Wort drei, Wort vier. Es läuft alles in einer Linie ab – bei dem Video genauso, bei dem Buch genauso. 

Und das hinterlässt den falschen Eindruck, dass Dinge linear wären. Das sind sie aber nicht. Das ist nur die einzige Möglichkeit, weil wir den Faktor Zeit haben, Systeme zu beschreiben. Und deswegen neigt man dazu, linear zu denken, auch weil lineares Denken gut ist, um einen Faktor darzustellen. Also, wenn Du jetzt das Newtonsche Gesetz nimmst und sagst: “Sehr schön, ich lass hier was fallen und es geht dann auf den Boden, Gravitation und so weiter”, dann ist das ja auch völlig isoliert dieser Faktor angeschaut. Da ist kein Luftwiderstand, da ist keine Erdrotation, da sind keine Magnetfelder dabei, da gibt es keine statische Ladung, kein Polsprung, alles Mögliche ist da nicht berücksichtigt. Also es ist nur eine Theoretisierung, um ein Prinzip zu verdeutlichen, aber mit diesem linearen Denken kriegst Du keine Rakete zum Fliegen. Glaub es mir! Du kannst Schulaufgaben bestehen, aber Du kriegst keine Ergebnisse.

So, und die einzige Art und Weise, der linearen Schulung zu entgehen, ist, indem man mehrmals durch’s Material durchgeht. Warum? Weil Kapitel eins sich auf Kapitel neun auswirkt und Kapitel acht wirkt sich auch auf Kapitel eins und auf Kapitel neun aus. Als Du aber Kapitel eins studiert hast, kanntest Du acht und neun noch nicht. Ich muss ja irgendwo anfangen. Also, wie steige ich ein in das Thema systemisches Denken?

Ich habe den Weg gewählt, den ich gewählt habe – nicht, weil das alles perfekt ist und weil das der einfachste Einstieg ist. So, aber wenn Du hier nur einmal durch das Booklet durchgehst, vergiss es. Im Booklet selber haben wir schon wieder wiederholt. Aber geh noch mal ganz am Anfang. Lies nochmal genau die Worte von System. Lies nochmal genau die Beispiele für System. Was ist ein System? Aus welchen Unterfaktoren besteht es? Und so weiter und so weiter. Du wirst es jetzt viel besser verstehen als vorher. Also:

Immer systemisch denken, wissen, dass Ausbildung leider immer linear ist. Wenn Du Dir meine Materialien anschaust, wie ich sie aufbaue – ich baue sie in sich schon systemisch, weil ich zuerst einen Adlerblick, Überblick gebe – erste Iteration: Überblick. Zweite Iteration: Giraffen-Perspektive. Dritte: in die Details rein. Dadurch ist praktisch Systemik in ein lineares Medium eingebaut.

Deswegen erscheint vielen Leuten mein Content auch relativ gut verständlich oder anwendbar. Nächster Punkt: 

Systeme müssen langsam hochgefahren werden, sie vertragen keine Schocks. Darum arbeiten wir immer mit maximal einem neuen Faktor, nämlich dem Engpass, der von außen ins System eingeführt wird oder der optimiert wird. Die Umwelt schickt uns aber immer wieder Schocks. Deswegen müssen wir unsere Hauptfaktoren stabil aufstellen, stabilisieren, Puffer machen, Rücklagen machen, Zeit wie Geld.

Funktionierende Systeme werden ausschließlich über den Engpass optimiert. Wenn schon ein neuer Faktor (mit allen möglichen negativen Wechselwirkungen) eingeführt wird oder an dem rumgebastelt wird, so muss er sich wirklich lohnen und der Engpass lohnt sich immer. Also, der Engpass ist der aktuell limitierende Faktor, limitierend in Richtung Zielsetzung des Systems – also, was möchte man mit dem System erreichen? Beispiel bei den Pflanzen. Die Zielsetzung ist, die Pflanzen möglichst schnell wachsen zu lassen.

Möchtest Du sie möglichst schnell schrumpfen lassen, hast Du einen anderen Engpass. So, und per Definition: Wenn der Engpass der limitierende Faktor ist, muss dort die Upside maximal groß sein im Verhältnis zur Downside. Deswegen geht man über den Engpass. Nächster Punkt: 

Sei Dir bewusst, dass jede eingeführte Willkürlichkeit (Kurz-Definition “Willkürlichkeit”: “eine Aktion, die nicht auf Logik oder Fakten, sondern auf Meinungen, fixen Ideen oder autoritärer Behauptung beruht”) – also, eine Willkürlichkeit ist keine logische, natürliche Naturgesetze befolgende Entscheidung, sondern eine Willkürlichkeit ist, dass einer sagt: “Ich will das so. Das entspricht meiner Ideologie” oder “Ich bin hier der Boss, deswegen machen wir das so!” Schaut mal in die Politik. So, nochmal: 

Sei Dir bewusst, dass jede eingeführte Willkürlichkeit zu immer mehr Willkürlichkeiten führen wird (der “Hydra-Effekt”). Sobald Du in ein System eine Willkürlichkeit einführst, wird das immer zu mehr Willkürlichkeiten führen.

Das heißt also: Du führst eine Willkürlichkeit ein und auf einmal hast Du drei neue. (Hydra ist dieses Monster, dem man den Kopf abgeschlagen hat und dann sind zwei neue nachgewachsen.) Mal ein Beispiel: Du gehst jetzt her und subventionierst jetzt Elektroautos. So, üblicherweise sorgt eine Subvention dafür, dass – man muss ja nichts subventionieren, dass die Leute haben wollen – so, das heißt, aus irgendwelchen Gründen wollen es die Leute nicht haben.

Die Technologie ist vielleicht noch nicht so weit. Experience ist nicht so weit. Marketing ist nicht gut, was auch immer. Eigentlich wäre die korrekte Aktion, die Nachfrage zu erhöhen, indem man das Ding verbessert. Das wäre keine Willkürlichkeit. Jetzt führe ich dort eine Willkürlichkeit ein – mache eine Subvention. So, jetzt kaufen auf einmal Leute dieses Ding, das sie sonst nicht kaufen würden.

Das heißt, der Markt wächst – ich sage mal: künstlich angezündet, künstlich gepusht. Und jetzt auf einmal stelle ich mir die Frage: “Mensch, wo sind denn die Ladestationen?” So, dann muss ich als Nächstes noch den Ausbau des Netzes subventionieren. Dann: Hat das Netz genug Strom? Also, eine Subvention wird immer zu mehr Subventionen führen.

Oder: Bürgergeld erhöhen auf ein Level, wo man eigentlich sagt: “Warum soll ich denn da noch arbeiten gehen? Da hol ich mir doch lieber noch einen Schwarzjob, wo ich noch 200 Euro verdiene oder 300 dazu. Dann habe ich mit fünf Stunden die Woche eine 40-Stundenwoche abgegolten.” 

So, das führt dann wieder dazu – also, das Anreizsystem ist schlecht des Bürgergelds. So, das führt dann wieder dazu, dass wir dann wieder Heerscharen an Kontrolleuren einstellen müssen, die das wieder überwachen. Dabei gäbe es eine ganz einfache Lösung – meiner Meinung nach. 

Was ist das Problem? Du gibst Leuten Geld. Sie behalten ihre Zeit. Und diese Zeit – würde ich auch so machen – investieren Sie in etwas, was mehr Geld bringt. Korrekt? So. Der Zweck des Bürgergeld ist ja, Leute, die soziale Schwierigkeiten haben, nicht untergehen zu lassen. Und das ist ja gut – im Rahmen einer Solidargemeinschaft, ist für alle gut. 

Du müsstest eigentlich nur eine Sache machen, dass Du sagst: “Pass auf, wenn Du Bürgergeld beziehst, musst Du die Zeit, die Du normal im Job verbringen würdest, irgendeine Arbeit machen, die du tun kannst” – und wenn es nur wäre, mit einem Stock Papiertaschentücher im Park zu sammeln oder Unkraut jäten oder was auch immer. So, bei Müttern würde man sagen: “Sehr schön. Einer ledigen Mutter kann man zumuten – je nachdem, Kleinkind, dadadadada, dass sie soundsoviel Stunden für das Kind braucht und soundsoviel hat sie noch frei. So, hat sie zwei Kinder mit unterschiedlichem Alter, dann ist es ein Vollzeitjob.” 

Gut, ich als Kind war wahrscheinlich allein schon ein Vollzeitjob. Das hängt wahrscheinlich auch von der Art des Kindes ab. Aber wie auch immer – so, das heißt, Du müsstest ja nur sagen: “Kein Problem. Bürgergeld kriegt ihr, aber wir kriegen deine Zeit dagegen. Du kannst sie also nicht in irgendetwas anderes investieren.” Man könnte auch sagen: “Dafür machst du eine Fortbildung, dafür lernst du systemisches Denken, dafür lernst du, wie Eisberge funktionieren, also wie die Sichtweisen der Leute funktionieren.” Wir könnten das Bildungsniveau …. Aber Du musst sagen: “Pass auf, wenn wir dir Geld geben, kriegen wir deine Zeit dafür”, und schon hättest Du 90 Prozent – meiner Meinung nach – der Probleme abgestellt. Kannst Du mal auf Downsides durchchecken, dann wirst Du feststellen: “Das sind nicht so wirklich…” – also, es wird welche geben, aber relativ wenig im Verhältnis zu jetzt. 

So, also, sei Dir bewusst, dass jede eingeführte Willkürlichkeit, also jeder Verstoß gegen Naturgesetze …, also nochmal: Ein System ist eine in sich abgeschlossene Einheit, in einer Umwelt mit Hauptfaktoren, die miteinander in Wechselwirkung stehen, in denen interne Prozesse, Gesetzmäßigkeiten und Reihenfolgen ablaufen. So, und wenn Du in ein System etwas einführst, was nicht Teil der internen Gesetzmäßigkeiten ist, nicht den Naturgesetzen entspricht, wirst Du praktisch die Komplexität in Richtung Unendlichkeit treiben.

Das ist auch der Grund, warum Unternehmer so beschäftigt sind: weil sie Willkürlichkeiten in ihr System eingeführt haben, also Dinge, die sie denken: “Es gehört so”, es gehört aber nicht so. Und dann versuchen sie, etwas zu lösen. Diese Lösung wird zu den Problemen von morgen und dann wächst die Hydra. Das ist in Kurzform das, was passiert. Eine einmal eingeführte Willkürlichkeit führt zu immer mehr Willkürlichkeiten.

So, und wenn Du jetzt in so einer Situation bist, dass Du sagst: “Boah, ist alles so kompliziert!”, musst Du eigentlich nur Folgendes machen: Du musst nur zurückgehen – deswegen ist es wichtig, Aufzeichnungen zu führen – und sagen: “Sag mal. Wo war es denn eigentlich noch unkompliziert? Und was habe ich dann verändert, was ein Willkürfaktor sein könnte?” Also, zuerst zurückgehen in den Ursprung und dann rückwärts aufräumen.

Aber leider sehen das die Leute selber nicht. Deswegen sind Mentoren und Coachings nicht unwichtig. Warum? Weil man ja eine gewisse Betriebsblindheit hat. Ne, also das eigene Problem zu sehen, ist immer viel schwieriger als das der anderen. So, dann haben wir: 

Wenn Du ein System nicht erschaffen hast UND seine Historie nicht zu 100 Prozent kennst UND nicht wirklich ALLE Daten hast, kannst Du es NIEMALS verbessern.

Du übernimmst eine Firma. So, das heißt: Erstmal Mund halten, erstmal alles rauskriegen – Historie, Warum macht ihr das so? Wieso so? Wie kam das zustande? Warum macht ihr es so und nicht anders? und so weiter. 

Du wirst nur Schaden anrichten, wenn Du versuchst, das zu verbessern. Die Chancen stehen circa 1 : 200 gegen Dich, aber nicht im Durchschnitt, sondern pro Aktion.

Also, Du machst eine Aktion, Chancen 1 : 200 gegen Dich. Zweite Aktion, 1 : 200 gegen Dich. Dritte Aktion, 1 : 200 gegen Dich. Frage also immer auch erfahrene Personen, ob Deine Aktion, Dein Vorschlag, Deine Entscheidung etc. nicht gegebenenfalls ein funktionierendes System schädigt. 

Wer von Euch hat schon mal eine großkotzige Führungskraft eingestellt? – sehr schön, ich auch –, der also eigentlich gar nicht führen wollte, weil “führen” von “dienen” kommt, genau genommen, sondern der sich einfach wichtig machen wollte.

Das heißt, eine schön eingeführte Willkürlichkeit. Dieser Typ hat sich natürlich einen Scheiß für Euer System interessiert, hat sich nur für sich interessiert, hauptsächlich wie er wirkt und wie er scheint und wie sein Status und sein Ansehen ist. Und wie sah Euer System nach drei Monaten danach aus? Kann ich Dir alles vorhersagen. Einfach nur, weil ich diese Faktoren vom systemischen Denken kenne.

Ich wette, was er in drei Monaten eingerissen hat – hast Du gebraucht, dann 6 bis 8 Monate, um es wieder in Ordnung zu bringen. So, um ein funktionierendes System verbessern zu können, brauchst Du zunächst mal Demut. Hey, es ist ein Meisterwerk. Schau mal, die Mona Lisa ist ein Meisterwerk. Würdest Du Dir anmaßen, es zu verbessern? Würdest Du Dir anmaßen, einen Porsche Turbo Cabrio zu verbessern? Persönlich, also nicht allgemeine Vorschläge, sondern persönlich. Ich nicht. Ist ein Meisterwerk, ein funktionierendes System. 

So, aber warum kommen Führungskräfte und Unternehmer drauf, wenn sie irgendwo anders reingehen oder wenn sie eine Firma kaufen, dass sie jetzt da einfach “zack zack” machen und dann läuft es? 

Um ein funktionierendes System verbessern zu können, brauchst Du zunächst erstens Demut (habe ich gerade dazu gesagt), aber dann 1) sehr hohe Vertrautheit mit diesem (2 bis 3 Jahre Erfahrung) und höchstes Interesse: Fragen, fragen, fragen. Schauen, schauen, schauen. Fragen, fragen, fragen. 2) Du musst seine Historie genau kennen, erfragen, erfragen, erfragen, 3) seine Zwecke sehr genau verstehen: Warum ist dieser Faktor da? Was soll der tun? Worum geht es dabei? Warum so und nicht anders? 4) Wirklich alle Informationen darüber haben, 5) und dadurch Wechselwirkungen nahezu hellseherisch vorhersagen können. Dann, wenn Du das kannst, dann kannst Du ein Meisterwerk versuchen zu verbessern.

Ja, wir hatten da eine Frage.

Teilnehmer: Das macht ja alles total Sinn. Aber das ist ja der Todesstoß für die gesamte Unternehmensberater-Branche.

Alex: Was denn?

Teilnehmer: Weil die ja nie wirklich ins eigene, in das System der Firma reinschauen, sondern eigentlich immer nur an der Oberfläche kratzen.

Alex: Hundertprozentig. Das ist so ähnlich, wie wir sagen: “Steuern sind Chefsache”. Du kannst also … nochmal: “Steuern sind Chefsache. Unternehmensstrategie und Aufbau ist Chefsache. Das kann kein anderer machen als der, der es erschaffen hat.” So und deswegen kann ich auch nicht … – also, die Leute hätten es zwar gerne, dass sie mich buchen, ich schau da rein, dann drücke ich auf die magischen Knöpfe und dann läuft alles. Funktioniert so nicht, aber zwischen Dir und mir: Das Geschäftsmodell von Unternehmensberatern ist, heute eine Verbesserung zu machen, die sich schnell auf den Statistiken zeigt, und langfristig neue Probleme zu schaffen, so dass man wieder gebraucht wird.

Teilnehmer: Das ist deren System und das System funktioniert.

Alex: Ja, das ist aus deren Sicht auch ein Meisterwerk. Du weißt: Das Wohl des Jägers ist nicht das Wohl der Ente. So:

Nutze bei jeder Aktion – hier steht jede –, die Du machst, mindestens die Kurzform des Erfolgs-Algorithmus. Jedes Versäumnis, auf Downsides, Wechselwirkungen, weggelassene Daten etc. zu prüfen, ist hochgefährlich!

Das muss man üben. Also, selbst wenn ich mir heute einen Kaffee mache, läuft das bei mir ab. Dauert halt dann nur anderthalb Sekunden. “Ah, wieviel Uhr ist es? Kann es dann sein, dass ich dann nicht schlafen kann?” – “Sehr schön. Muss ich noch Kaffee kaufen? Aha. Oh, ist die Milch abgelaufen?” Weil ich ja hier nicht mehr regelmäßig hinkomme und habe jemanden, der mir die Sachen ordentlich macht, und so weiter, und so weiter. 

Also, nutze bei jeder Aktion, die Du machst, mindestens die Kurzform des Erfolgs-Algorithmus. Also, bei normalen Zyklen wie Kaffeemachen dauert es 1 bis 2 Sekunden, wenn Du Übung hast. Bei Projekten, wenn Du Übung hast, dauert es keine drei Minuten. Bei täglichen größeren Aufgaben dauert es keine zehn Sekunden, diese Faktoren durchzurütteln. 

Also, die Faktoren sind: Okay, sehr schön. Jede Upside hat eine Downside. Wo ist die Downside? Ja, so, okay. Welche Wechselwirkungen können ausgelöst werden? Welche Daten, die mir fehlen, würden zu einem anderen Ergebnis führen? Also, gibt es weggelassene Daten, von denen ich nichts weiß? Dann: Advocatus Diaboli – je nachdem, wie kompliziert der Vorgang ist –, den brauchst Du nicht immer, also sprich, Du befragst andere Leute, die mit einem Bereich Vertrautheit haben. Du willst etwas Neues machen, wo Du keine Vertrautheit hast, dann brauchst Du einen Ersatz dafür, fragst Leute, die Vertrautheit haben. Bevor Du es umsetzt, sagst Du: “So, so stelle ich mir das vor. Was habe ich vergessen? Was für weggelassene Informationen habe ich? Was könnte schief laufen? Wie würdest Du es an meiner Stelle tun?” Das sind die vier Schritte in Kurzform. So, dann: 

Achte auf gefährliche Faktoren wie Prototypen und Skalierung, Viralität. Es ist nämlich ein Unterschied, ob Du eine fehlerhafte E-Mail an einen Mitarbeiter versendest oder an 20.000 Deiner besten Kunden. Weitere Beispiele wären: Rechtschreibfehler in Werbevideos, die Millionen sehen, falsche Werbeversprechen, fehlerhafte “Druckplatten” etc. 

Oder Du sagst – weltweit übertragen: “a bacon of hope”“ein Speck der Hoffnung”. Tatsächlich sollte es “beacon” heißen, ein “Licht” der Hoffnung. Das ist aber blöd, wenn man es regelmäßig macht, während Fernsehkameras dabei sind. Übrigens, besagte Ministerin – alle anderen bei den UN- Versammlungen oder sonst irgendwas haben ihre Übersetzer da, die können auch alle Englisch, nein, die können Englisch, meine ich, sprechen aber, weil sie sich komfortabler fühlen, trotzdem in ihrer Landessprache und das übersetzen Übersetzer. 

Weil aber die besagte Person natürlich so wichtig aussehen will – was meistens Leute tun, die einfach nichts können, weil jemand, der was kann, nicht wichtig aussehen muss. Also, nimm als Beispiel: Ich kenne wahnsinnig viele reiche Leute, denen siehst Du es nicht an; die sehen immer aus, wie wenn man ihnen noch eine Spende hinterherwerfen sollte. Du erkennst es an kleinen Sachen. Schuhe, vielleicht Uhr. 

So, also, wenn Ihr mich fragt: Je mehr einer erscheint, desto weniger kann er. Je reicher einer scheint, desto ärmer ist er, weil, wenn Du reich bist, willst Du nicht, dass es erkannt wird. Warum? Weil Dich dann gleich Leute immer anquatschen: “Kannst Du mir Geld leihen?” – “Hey, wollen wir nicht ein Geschäft machen?” und so weiter. Das ist am Anfang cool, aber wenn Du es länger hattest, findest Du es nicht mehr so witzig irgendwann. 

Also nochmal: 

Weitere Beispiele wären: Rechtschreibfehler in Werbevideos, die Millionen sehen, falsche Werbeversprechen – also, irgendwie, der Texter hat sich nicht ganz mit der Delivery oder dem Fulfillment, also die, die es dann erledigen sollen, abgesprochen und hat gedacht: “Oh, was kann ich machen, dass möglichst viele Leute auf diese Anzeige klicken?” Das ist gefährlich.

Fehlerhafte “Druckplatten”, also, gerade Druckplatten sind praktisch Druckvorlagen, Klonvorlagen, die dann geklont werden. Die sind das allerschlimmste auf Homescale mit Viralität. Ultra vorsichtig, alles genau checken, testen, langsam skalieren, ganz vorsichtig. 

Als Beispiel: Wenn wir jetzt hier diese Dinge als PDF rausgeben, dann werden wir die nicht an unsere gesamte Liste verschicken – werden wir nicht machen, sondern wir werden sie einfach an ausgewählte 300 Leute schicken, im ersten Schritt. Kann dann immer noch viral gehen, wenn da der Falsche dabei ist. Aber es ist erst mal limitiert. So, wenn dann da keiner protestiert und gutes Feedback kommt, dann schicken wir mal als Nächstes an 2000, dann an 10.000, dann an 30.000. So würden wir es machen, auch hier, obwohl hier relativ wenig Downside besteht. 

Also, gefährliche Faktoren wie Prototypen und Skalierung. Hierbei noch ein Hinweis: Je mehr sich aufstapelt an gefährlichen Faktoren – also, etwas ist ein Prototyp, es ist eine Klon- oder Druckplatten-Vorlage – hohe Skalierung mit potenzieller Viralität. Huiii!

Man muss halt einfach wissen, schau, das ist so ähnlich, wie wenn vor Dir ein Kätzchen steht. Das streichelst Du schön, lässt Dir ein bisschen die Finger ablecken, gehst weiter. Das Problem ist aber: Du solltest ein Kätzchen unterscheiden können von einem hungrigen Löwen. Und das sind die Kriterien, die Dir zeigen: Was ist ein Kätzchen und was ist ein hungriger Löwe? Und glaub mir, ein Prototyp mit hoher Skalierung, hohem bedrohtem Wert, also, sprich, geht an Deine besten Kunden mit Klonvorlage und potenzieller Viralität. Herzlichen Glückwunsch. Das ist noch nicht mal ein hungriger Löwe. Das ist ein Dinosaurier – Tyrannosaurus Rex, der sechs Wochen gefastet hat. 

Also nochmal: Ihr kennt den Spruch: “Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.” Das Hauptproblem von Gefahren ist, dass man sie verkennt. Glaubt mir: Allein zu wissen “Das ist gefährlich, das ist weniger gefährlich”, das wird schon Euer Leben um 50 Prozent verbessern. 

Nächster Punkt:

Prototypen als solche nicht zu erkennen – Ihr erinnert Euch dran: Nicht alles, was gleich ausschaut, ist auch gleich. Also Prototypen als solche nicht zu erkennen und ohne Anwesenheit der Geschäftsleitung einfach ins System einzuführen (oder auch nur davon zu wissen oder daran mitzuwirken), ist höchst gefährlich und fahrlässig, da Du mögliche negative Wechselwirkungen billigend in Kauf nimmst.

“Billigend in Kauf nehmen” bedeutet: Ich sage: “Ist mir scheißegal, ob er tot ist oder nicht, ist mir scheißegal, ich nehme es in Kauf. Wie auch immer, wenn ich Glück habe …”, und es ist an sich schon strafbar, selbst wenn Du Glück hast. Also, wenn Du den Tod einer Person billigend in Kauf nimmt, hast Du ein Mord-Merkmal, wenn noch Heimtücke und andere Sachen dabei sind, auch wenn der überlebt hat.

Und wichtig: In dem Unternehmen führe nie einen Prototyp oder irgendetwas Gefährliches in ein System ein, ohne alle drei Ebenen berücksichtigt zu haben: Adler, Giraffe und Ameise. Je nachdem – bist Du die Ameise, musst Du nach oben fragen. Bist Du die Giraffe, musst Du nach oben und nach unten fragen. Bist Du der Adler? Ich frage immer nach unten. Immer.

Viele Chefs machen das nicht. Immer, wenn ich eine neue Idee habe, wo ich sage, die hat eine gewisse Auswirkung auf andere Abteilungen, frage ich erst von oben nach unten, weil, wenn die Giraffen schon sagen: “Nee, geht nicht, weil …”, dann brauche ich die Ameisen erst gar nicht in Verwirrung zu versetzen. 

Aber wenn die Giraffen sagen: “Hmm, ja, klingt nicht so schlecht. Mir fällt jetzt auch auf den ersten Blick nichts ein, außer dem Punkt … Ah, ja gut, dieser Punkt”, so, dann würde ich …, erst dann würde ich die Sachbearbeiter fragen und die Leute, die es direkt betrifft. Warum? Weil die Sachbearbeiter, die haben gerne die kleinen Sachen, die das Projekt zum Scheitern bringen – die berühmten siebeneinhalb Zentimeter unterschiedliche Schienenbreite. 

Also, wir haben das so: In das bestehende System dürfen keine neuen Faktoren eingeführt werden, ohne dass alle drei Ebenen schriftlich zugestimmt haben – und das Projekt muss vorgetestet sein im Quarantänebecken. Also, wir im Maschinenbau testen es vor, machen ein paar Tests mit unabhängigen Werbekunden, dadadadada, legen die Auswertung dann vor. Dann legen wir einen Implementierungsplan vor. Es werden alle informiert und dann wird es Stück für Stück implementiert. Und derweil werden alle Teile des Systems genau überwacht. Alle Teile. Das hört sich jetzt alles so wahnsinnig kompliziert an, irgendwann wird es Routine.

Es ist einfach eine andere Art vorzugehen. Genau. 

Dann verschwende nicht unnötig Zeit auf Pläne, indem Du viel zu viele Details ausarbeitest, oder beginne mit irgendeiner Form mit der Umsetzung, OHNE vorher die Plantiefen der Reihenfolge nach durch die einzelnen Ebenen gebracht und final genehmigt bekommen zu haben. Also, Ihr erinnert Euch dran: Plan ist die allgemein schlaue Idee, wie man “Ist” Richtung “Ideal” bringt.

Es ist aber nicht definiert, wie allgemein ist allgemein. Deswegen gibt es Leute, die schreiben dann solche Pläne, legen die mir dann vor und man sagt: “Du, geile Idee, leider an der falschen Stelle gebohrt, also geil gebohrt, alles geil geplant. Aber leider ist das Öl in der Nordsee und nicht in der Wüste”, so, und das frustriert den Mitarbeiter. Es frustriert mich, weil die Ressource von der Woche verschwendet wurde, das alles ins Detail auszuarbeiten.

Wenn man schon in einem Fünfzeiler hätte sehen können: “Hey, es ist in der Ostsee, nicht in der Sahara”, denn der Adler hat andere Informationen als die Giraffe, und die Giraffe andere als die Ameise, und die Ameise andere als der Adler. Viele denken, dass der Adler der wertvollste Blickwinkel wäre. Nein, es ist nur der mit dem besten Überblick. Es gibt keinen besten Blickwinkel.

Du brauchst alle drei zusammen, um eine korrekte Entscheidung zu treffen, weil der Teufel da unten im Detail steckt – der kann das ganze Projekt blockieren. Als Beispiel: Wir waren vorhin bei Elon Musk, SpaceX. So, warum sind da manche Raketen explodiert? Ja, das waren einfach nur Schrauben oder Nieten – zu wenig, zu viel, nicht genügend angezogen. So, da kannst Du aus Adlerperspektive so viel planen, wenn da unten die Schrauben nicht sitzen – ja, Pech.

Also, das heißt, Du brauchst alle drei Gesichtspunkte und deswegen verschwende nicht unnötig Zeit auf Pläne, sondern mach Dir ein Planziel für eins, paar Zeilen, zwei Minuten Voicemail. Lass das an alle Betroffenen gehen, sag: “Was haltet ihr davon?” Die geben ihren Input. Basierend auf diesem Input, verwirfst Du den Plan oder verbesserst ihn. Falls Du ihn verbesserst, gehst Du jetzt im Plantiefe zwei und arbeitest wiederum etwas tiefer. Dann wieder durch die Ebenen, dann in Plantiefe drei.

Das sind die Tipps, die ich Euch geben kann im Business. Wenn Ihr die berücksichtigt – plus natürlich all das Wissen, das Ihr jetzt von vorne habt (das ist jetzt nur noch mal speziell zusammengezogen auf das, was am meisten im Business passiert. Gerade bei neuen Mitarbeitern, bei neuen Führungskräften, die denken, immer neue Besen kehren gut. Ja, stimmt, aber nur, wenn es kein bestehendes System ist).

Aufpassen: Euch selber als Faktor nicht unterschätzen. Also, selbst wenn Du jetzt sagst: “Sehr schön, ich arbeite schon die ganze Zeit nichts mehr und sitze nur in meinem Büro und meine Manager machen das alles”, und Du gehst dann weg und auf einmal bricht der Laden zusammen. Kann sein, dass Deine pure Präsenz dafür gesorgt hat, dass der Laden lief und dass dieser Faktor an sich noch nicht berücksichtigt wurde.

Also, deswegen machst Du alles langsam und stückweise. Wirklich, oft ist es so, dass Du sagst: “Das gibt’s nicht”, aber indem Du das eine langsam hochfährst, das andere langsam runterfährst – “monkey branching”: Ich lasse keinen Ast los, bevor ich den besseren fest in der Hand habe und sicher bin, dass er mich tragen wird – wenn Ihr Euch an diese Regeln haltet, wisst, dass jede Upside eine Downside hat und so weiter, werdet Ihr sehen, wird das Leben ab jetzt wesentlich erfolgreicher. Habt ihr da zu dieser Gesamtheit nochmal Fragen?

Teilnehmerin: Ich habe das alles verstanden. Ich frage mich jetzt, wenn ich jetzt ein komplett neues Unternehmen gründe, würde ich dann mit der Plantiefe anfangen? Zweck definieren? Ist / Idealzustand? Oder wie würdest Du das angehen?

Alex: Mach mir mal ein Beispiel. Also, ein bisschen mehr Fleisch, dann kann ich Dir das …, weil es zu breit ist: Ich würde ein Unternehmen gründen.

Teilnehmerin: Okay, ich gründe ein Unternehmen. Es geht dabei, ein Studio aufzumachen, wo Kältekammer-Anwendungen angeboten werden, wo Wärme-Anwendungen angeboten werden und noch andere. Also, es geht dabei, dass der Mensch, der hinkommt, Schmerzen hat, Schmerzlinderung, aber auch seine Leistung steigern möchte.

Alex: Gut, kann ich Dir gleich sagen, was Du machen solltest an Deiner Stelle. Schau, das Hauptproblem von allen Produkten ist: der Markt will sie nicht. So, weil Dein System ja einen Zweck hat: Produkte zu liefern, die der Markt will. So, das startet alles damit: Will der Markt mein Produkt? Und dann baust Du ein System, um dieses Produkt zu machen. Wenn ich Du wäre, würde ich als Erstes mal Umfragen machen bei Leuten, die es wissen müssen.

So, das heißt, Leute, die Schmerzbehandlungen haben, Schmerzpatienten. Ich würde in Foren reingehen, würde mir durchlesen, was sie da so schreiben. Ich würde mir überlegen, wer sind Leute, die mir Kunden bringen können? Das wären zum Beispiel auch Beauty-Studios. Das wären vielleicht Leute, die Manager behandeln. Also, ich kenne zum Beispiel so einen, der sich auf Faszien spezialisiert hat, der richtet Dir den ganzen Körper mit zehn Behandlungen gerade.

Ja, also, alles, schlechte Haltung, die Du hast, macht er Dir in zehn Behandlungen alles weg. Und das sind nur deswegen zehn, weil er den ganzen Körper macht, inklusive aller Faszien und so weiter, und so weiter. So, das wäre jetzt zum Beispiel einer, der hätte das Klientel auch für solche Leute, ja, weil die haben … Die Behandlungen kosten relativ viel Geld, sind aber sehr effektiv.

Das heißt, Leute, die sagen: “Ich habe das Geld, will aber nicht 100 Jahre Dehnübungen machen”, die gehen zu dem. So, der wäre zum Beispiel ideal. So, Du würdest Dir die Frage stellen: “Welche Leute hätten die gleiche Zielgruppe?” Genau zuhören: “Welche Leute hätten die gleiche Zielgruppe, aber ein anderes Produkt? Die gleiche Zielgruppe, aber ein anderes Produkt?” So, diese Leute würdest Du erst mal ausquetschen mit Umfragen.

Und jetzt nicht Umfragen zuschicken, sondern selber machen – am besten persönlich, zur Not telefonisch, auf keinen Fall schriftlich, weil Du die Kommunikation zwischen den Worten hören willst. So, und jetzt muss man bei Umfragen eins wissen: Frage die Leute nie, was sie wollen, denn das wissen sie nicht. Das ist Dein Job, das rauszukriegen. 

Du darfst die Leute nur zwei Sachen fragen: Was haben sie schon? Also, was besitzen sie schon? Haben sie das schon mal ausprobiert? Und Du darfst sie auch fragen, was sie nicht mögen. Und Du kannst ihnen einen Vorschlag machen, was sie davon halten würden. Die Antworten sind aber nur leichte Indikatoren und sind nichts wert. 

Also, Hunderte von Software-Programmierungen und Apps haben schon stattgefunden, weil Leute gefragt wurden, Umfragen gemacht haben und gefragt haben: “Hey, würdest du diese App kaufen?” – “Na ja, cool, ja, würde ich. Ja, ja, könnte ich.”

Aber das sind nur Lippenbekenntnisse. Also, die Umfragen zeigen Dir nur die Richtung. Der finale Test ist immer: Geben sie Geld aus dafür? So, und diesen Test solltest Du machen, bevor Du irgendetwas anschaffst. “Wie” musst Du Deiner Kreativität überlassen. Entweder behauptest Du, Du hättest es schon oder Du leihst Dir die Geräte aus oder Du verkaufst es und sagst dann: “Oh, Scheiße, irgendwer hat die Website zu schnell online genommen. Hier ist Dein Geld zurück und hier ist noch ein Ersatz-Gutschein.” Wie auch immer, aber der ultimative Test ist: Kaufen Sie es? Und wie aufwendig ist es, sie zum Kaufen zu bringen? Das ist der einzige gangbare Test. 

Ja, aber jetzt wieder zwei Faktoren. Das eine ist das Produkt und das andere ist die Zielgruppe. Weil wir uns einig sind: Eskimos kaufen wahrscheinlich keine Kühlschränke. Afrikaner eher. Deutsche auch. Aber die Afrikaner haben mehr Bedürfnis. 

So, das heißt, Du musst den Spagat finden zwischen Produktdesign – wie gestaltest Du das Produkt? Wie nennst Du das? Wie läuft es ab? Und: Wer ist die Zielgruppe? Wenn Du mich fragst, ist Deine Zielgruppe Leute, die wahrscheinlich Grün wählen und ein SUV fahren – einen elektrischen. Nein. Also Leute, die gut Geld verdienen, die über das Gröbste hinaus sind und die sich jetzt denken: “Mist, ich habe nicht viel Zeit, aber ich sollte mich mal mehr um meine Gesundheit und meine Schönheit kümmern.”

So, das wären zum Beispiel Damen, die Haarverlängerung machen, die hätten diese Kunden. Das wären High-End-Friseure. Jede Stadt hat so zwei, drei Nobel-Friseure, die dreimal so viel verlangen wie der Rest. So, das wären teure Beauty-Behandler. Das wären Schönheitschirurgen – jetzt nur mal ganz schnell aus dem Ärmelchen geschüttelt. Das sind so die wichtigsten Punkte.

Teilnehmerin: Hier bei dem Satz: “99 % der Erschaffungsversuche werden jedoch nie eins …” [nicht genannt: …funktionierendes System hervorbringen]. Was heißt das genau das? Kannst Du es bitte erklären? Also, was meinst Du damit?

Das Systeme Meisterwerke sind, dass man einfach 99 Systeme versucht aufzubauen und nur eins wirklich zum Leben kommen wird. Nur eins hebt ab, der Rest landet auf dem Friedhof. So, wenn Du es aber so machst, wie ich es Dir sage, dann fängst Du ja mit dem –, also, wendest Du, wenn Du so möchtest – ich habe Dir gesagt, Du nimmst eine These und sagst: “So, wo ist der Schwachpunkt?” So, und Du sagst: Neues Geschäft starten. Sage ich: “Der Schwachpunkt ist: Nimmt ein Markt Dein Produkt an? Und wenn ja, zu dem Preis, dass Du auch profitabel bist?” So, teste diesen Bereich erst durch, durch Umfragen, dann durch einen wirklichen Test.

So, damit hast Du Dir schon 50 Versuche erspart. Also, würdest Du nicht so vorgehen, dann würdest Du jetzt was aufmachen und würdest es dann später wieder zumachen – falsche Zielgruppe, falsche Präsentation da-da-da-da-da. So, wenn Du aber systemisches Denken und diese roten und blauen Knöpfe vom Business-Building beherrscht, dann weißt Du halt, wie Du vorgehst. Also, meine Quote im Erschaffen von funktionierenden Systemen ist 1 : 3, manchmal 1 : 5. So, warum?

Weil ich weiß, wie man vorgehen muss, so dass die Wahrscheinlichkeit von 1 : 200 oder 1 : 30 auf 1 : 3 oder 1 : 5 sinkt. Aber einer, der keinen Plan davon hat, hat 1 : 200. Das meine ich damit.

Teilnehmer: Also, wir haben ja jetzt gerade so ein bisschen gehört und gelernt, wie wir mit einem System umgehen sollen. Wann ist aus Deiner Sicht ein funktionierender Ablauf es eigentlich wert, System genannt zu werden? Also, wenn ich jetzt auf die Idee komme zu sagen: “Ach, wir haben Urlaubsanträge bei uns oder Krankmeldungsvorgehen”, ist das ja ein unheimlich begrenzter Bereich. Würdest Du das schon dem kompletten Systembegriff unterwerfen oder wie groß muss es sein?

Alex: Die Frage ist wahrscheinlich eher etwas theoretischer Natur. Warum? Weil: Tatsächlich sind es in Deinem System, sind es Hauptfaktoren oder Unterfaktoren. Aber jeder Hauptfaktor ist ja in sich wieder ein System und jeder Unterfaktor ist in sich auch wieder ein System. Also, deswegen kannst Du ja in Systeme so weit rein- und rauszoomen, wie Du möchtest. Die Frage ist nur: Hilft es Dir was?

So, ich würde aber anders vorgehen. Ich würde ein System immer von oben nach unten erschaffen. Das hatte ich ja auch irgendwann mal hier erzählt in diesem Ding. Du gehst immer von oben nach unten rein. Also, der liebe Gott hat auch erst das Universum gemacht, vielleicht dann die Sonnen, dann die Monde, dann die Planeten. Und dann hat er sich den Planeten mal genauer anschaut: “Ach Wasser wäre schön, Landmassen wären schön. Was packen wir denn ins Wasser? Was machen wir denn auf die Landmassen?” Das heißt, Du zoomst von oben rein, weil Du sonst den Blick für’s große Ganze aus den Augen verlierst.

So, und ich würde nicht unten anfangen. Das ist nämlich der Fehler, den die Leute immer machen, weil man das, was man gerade besonders vor der Nase hat, möchte man dann weg organisieren. So, Du schaust von oben drauf und sagst: “So, welchen Engpass muss ich jetzt handhaben, damit mein System als Gesamtes auf das nächste Level kommt?” Weil – ich sag mal, Du bist jetzt Steuerberater. Und Steuerberater, haben es gerne ordentlich, schön sortiert. Das soll alles gerne ordentlich ablaufen und deswegen nerven Dich natürlich unsaubere, nicht vorbesprochene Urlaubsanträge. Das verstehe ich. Aber pass auf, dass es keine Willkürlichkeit wird. 

Du optimiert das System von oben über den Engpass, nicht über das, was Dir gerade am meisten auf den Sack geht – emotional. Ich habe folgende Erfahrung gemacht: Die beste Art, Entscheidungen zu treffen, ist in einem gewissen Stoizismus – weiß jeder, was Stoizismus ist? Das ist praktisch eine griechische Lehre darauf, dass man einfach die Dinge so anschauen sollte, wie sie sind und kein Drama oder Emotionen drumrum machen sollte. So, also, Du schaust einfach drauf mit einem gewissen Abstand und sagst so so. Immer, wenn ich Emotion fühle bei mir, weiß ich: “Ah, ich verliere gerade meinen Stoizismus. Ruhig, Brauner! Du verlierst gerade den klaren Blick.”

So, und ich glaube nicht, dass Du bei Deinem System bei den Urlaubsanträgen anfangen solltest, sondern an Deiner Stelle würde ich lieber an dem Führungsverhältnis 1 : 5 arbeiten. Das ist Dein Engpass. Du führst viel zu viel Leute. 

Und dafür, um da überhaupt dran arbeiten zu können, solltest Du zuerst eine Assistenz Dir besorgen – falls Du sie noch nicht hast, denn ihr wisst ja: “Hast Du keine Assistenz, bist Du die Assistenz.” Und mit dieser Assistenz könntest Du dann sagen: “Hey, liebe Assistenz, du bist für sechs Wochen der CEO des Systems Urlaubsanträge. So muss das System in der Ideale aussehen. Viel Spaß.” So, also auch hier gelten die Prinzipien des Investments. Du fängst beim Engpass an, überlegst Dir: “Wie ist es schlau?” Denkst es Dir durch. “Wie kriege ich meine Returns of Investments wieder?”

Auch hier – Ihr erinnert euch? Ich habe heute ein paar Prinzipien von mir gelassen. Also nochmal: Dein Job ist nicht, das Business zu bilden. Dein Job ist, die Leute zu bilden, also die auszubilden, damit sie das Business bilden. So, und wir Unternehmer neigen viel zu schnell danach, irgendwas zu greifen, was uns nervt, was meinem Ordnungssinn widerspricht oder sonst irgendwas.

Ich bin an dem Punkt ähnlich wie Du – ich musst mir das abgewöhnen –, sondern Du machst eine Person fähig, so dass sie dann das Problem löst. Und wenn sie dann das Problem gelöst hat, ist sie fähiger als vorher. Das heißt, Du kannst ihr größere Probleme geben. Wenn Du der Problemlöser bist und Du der Einzige bist, der Ordnung bringt, weißt Du, wer dann die ganzen Probleme kriegt?

Tatsächlich ist es sogar so: Freizeit und Inkompetenz sind direkt proportional miteinander gekoppelt. Das kann man als Unternehmer für sich nutzen. Ich gebe Inkompetenz immer vor. Kommt ein Mitarbeiter zu mir, sagt: “Ich habe da ein Problem.” Sage ich: “Oh, was denn?” Dann erzählt er es mir, sage ich: “Das ist aber schlimm.” Sagt er: “Warum?” – “Ja, ich habe dich ja eingestellt dafür, dass du das Problem löst. Ich habe keine Ahnung davon.”

Ich stelle mich einfach blöd, sag: “Keine Ahnung. Aber du bist doch der Spezialist. Mach mal einen Lösungsvorschlag, sammle mal Daten, und ich meine, du bist der CEO für diesen Bereich. Mach doch mal.” Und wenn er damit ein Problem hat, sag ich: “Booah! Jetzt machst Du mir aber wirklich Angst, weil ich – schau mal, ich habe dich wirklich eingestellt, weil ich dachte, du kannst das alles. Wer soll das denn sonst tun?”

So, Du nimmst also die Technik der Mitarbeiter an, Dich inkompetent zu stellen, so dass andere die Arbeit machen.

Teilnehmer: Du meinst, das nehmen sie mir ab?

Alex: Du solltest ein System nicht schocken. Deswegen fängst Du jetzt Stück für Stück an, Dich inkompetenter … Also, auch hier gelten die Prinzipien des systemischen Denkens. Wenn Du das von heute auf morgen umstellst, glaubt Dir das keine Sau, weißt? So, aber wenn Du es Stück für Stück machst, merken sie es sich. Sehr schön. Dann, liebe Freunde, haben wir es geschafft – auch Ihr, liebe Zuhörer an den Bildschirmen.

Das war es mit “Systemischem Denken”. Ich wünsche Euch allen ganz fürchterlich viel Erfolg bei der Umsetzung und ich würde mich freuen, von Euch mit Erfolgsberichten zu hören, wenn es denn welche gibt – wo ich mir aber sicher bin. Bis dann und vielen Dank für’s Zuhören. [Applaus] Sehr schön.

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Systemisches Denken im Business

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